Peenemünde

Das mit etwa 280 Einwohnern bevölkerungsmäßig bescheiden kleine und mit einem Gemeindeterritorium von 25 qkm flächenmäßig durchaus beindruckend große Dorf Peenemünde gilt als der wichtigste Museumsort auf der für ihren Sonnenreichtum bekannten deutsch-polnischen Ostseeinsel Usedom (Uznam).

Peenemünde liegt am nordwestlichsten Punkt der Insel und gehört wie der gesamte deutsche Teil von Usedom zum mecklenburgisch-vorpommerschen Landkreis Vorpommern-Greifswald. Der Ort liegt am Usedom im Westen vom Festland trennenden, sich der Mündung des Flusses Peene anschließenden Meeresarm Peenestrom. Nachbargemeinden sind im Süden der Insel-Badeort Karlshagen (3.300 Einwohner) und auf dem Festland jenseits des Peenestroms das Dorf Kröslin (1.800 Einwohner).

Urlauber im 1282 erstmalig urkundlich erwähnten Peenemünde können sich am Naturbadestrand am zu Usedoms größtem Naturschutzgebiet gehörenden Peenemünder Haken sonnen oder dort in die Fluten der Ostsee stürzen. Der Ort hat gleich zwei, vor allem für Freizeitzwecke genutzte Häfen. Der Nordhafen, ein ehemaliger Stützpunkt der DDR-Volksmarine, hat vierzig Liegeplätze für Yachten und Sportboote. Im ebenfalls zu DDR-Zeiten als Marine-Basis genutzten und heute von Fahrgastschiffen angelaufenen Haupthafen laden die Museumsschiffe U-461 und HANS BEIMLER zum spannenden Eintauchen in vergangene Marine-Geschichte ein. Die zur sowjetischen Juliet-Baureihe gehörende U-461 hieß ursprünglich K-24 und ist heute das Kernstück des „Maritim Museums Peenemünde“. K-24 ist 1962 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges von der Sowjetmarine in Dienst gestellt worden. Auf dem mit etwa 86 m Länge und einer Verdrängung von 4000 t zu den großen U-Booten zählenden Kriegsschiff hatten 80 Mann Besatzung Platz. K-24 war unter anderem mit Marschflugkörpern bewaffnet. In der Nähe des 1991 außer Dienst gestellten U-Boots ankert die 56 m lange Raketenkorvette der DDR-Volksmarine HANS BEIMLER im Hafenbecken. Das 1986 in Dienst gestellte Marineschiff wurde am Tag des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik am 3. 10. 1990 außer Dienst gestellt und ist heute Teil des „Historisch-Technischen Museums Peenemünde (HTM)“.

Das im wuchtigen Bau eines stillgelegten Kraftwerks untergebrachte HTM dokumentiert insbesondere den Teil der Peenemünder Geschichte, der den Namen des kleinen Inseldorfs weltweit zum Begriff werden ließ: Zwischen 1936 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Peenemünde im Zusammenhang mit der Entwicklung der Angriffs-Raketen V1 und V2 das Zentrum der Raketenforschung. Fast alle Einheimischen mussten damals ihr zum Sperrgebiet erklärtes Heimatdorf verlassen. In Peenemünde wurden als Folge dieser militärischen Anstrengungen durch Konstruktionsfachleute wie Wernher von Braun bahnbrechende Erkenntnisse auf dem Gebiet der Raketentechnologie gewonnen. Diese Erkenntnisse flossen nach 1945 unmittelbar ein in die Weltraum-Raketen-Entwicklung in den USA und in der UdSSR. Im Freigelände am Museum kann unter anderem ein Exemplar der weltersten Marschflugkörper (V1) besichtigt werden. Mit der Peenemünder Raketen-Zeit ist aber auch untrennbar die Erinnerung an NS-Verbrechen an in den technischen Versuchsanstalten als Zwangsarbeiter missbrauchter KZ-Häftlinge verbunden.

In einem weiteren, unweit des HTM gelegenen Museum, der „Phänometa Peenemünde“, werden Kindern, aber auch älteren Besuchern, auf unterhaltsame und plastische Art und Weise physikalische Phänomene erklärt. Ebenfalls nicht nur etwas für Kinder ist das angrenzende „Spielzeugmuseum Peenemünde“ mit Spielsachen, die Auskunft geben über Veränderungen und Kontinuitäten der deutschen Spielzeug-Kultur seit mehr als 100 Jahren.

Wenig verwunderlich ist, dass die Peenemünder Gastronomie kulinarisch vor allem den Ostseefisch-Aspekt betont. Ein frisches Fischbrötchen am Hafen gehört eben bei einem Besuch in einem Usedom-Ort unbedingt dazu. Wer länger in Peenemünde bleiben möchte, hat die Wahl zwischen einer Reihe von Ferienwohnungen Pensionszimmern oder einem Hotel.

Bildquelle © Hotel garni „Zur Zwiebel“

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