Der Doberaner Münster

Ausflugsziel und Sehenswürdigkeit – Dort, wo der erste von ihm erlegte Hirsch zusammenbrechen werde, solle ein Kloster entstehen, hatte Fürst Heinrich Borwin I. von Mecklenburg versprochen. Das Jagdglück war dem Fürsten ausgerechnet in einem sumpfigen Gelände hold. Während die Jagdgesellschaft noch beriet, ob dieses ein geeigneter Bauplatz sei, kam ein Schwan herüber geflogen und rief „dobr, dobr“ (deutsch: gut, gut). So ist der Legende zufolge der Standort des Klosters bzw. Doberaner Münsters bestimmt worden und der Name „Doberan“ entstanden, denn im Slawischen bedeutet ‚dobr‘ gut und ‚an‘ Platz. Schwan und Hirsch finden sich im Wappen von Bad Doberan. Der Schwan erhielt sogar ein Denkmal: Als Holzplastik wurde er um 1830 – mit einer Fürstenkrone um den Hals – auf hohem Steinsockel vor der berühmten Klosterkirche aufgestellt. 1171 begannen Zisterziensermönche im heutigen Doberaner Ortsteil Althof das erste Kloster Mecklenburgs zu errichten, das aber schon acht Jahre später während des großen Slawenaufstandes zerstört wurde. Im Jahr 1186 erfolgte an einem 3 km entfernten und geschützten Standort – dem heutigen Bad Doberan – die Neugründung des Klosters, das bald das wohlhabendste und mächtigste in Mecklenburg war, zeitweise nannte es 66 Dörfer und Güter sein eigen. In ihrer heutigen Form ist die 1270 (vermutlich)- 1368 erbaute Klosterkirche eine dreischiffige gotische Basilika mit fünfjochigem Lang- und zweischiffigem Querhaus. Von den beiden romanischen Vorgängerbauten wurden lediglich am Westgiebel einige wenige Reste einbezogen. Die Baukonzeption folgt der Lübecker Marienkirche; auch die ursprünglich aus den nordfranzösischen Kathedralbauschema entlehnte Verschmelzung von Chorumgang und Kapellenkranz wurde aus Lübeck übernommen. Entsprechend den strengen Regeln zisterziensischer Baukunst, die jeglichem Bauschmuck abhold waren, besitzt das so genannte Münster keinen Turm, sondern einen Dachreiter. Schmuckformen wie die weiß abgesetzten Blendbogenfriese unterhalb des Dachansatzes und die Rosetten an den Giebeln zeigen jedoch, dass man sich in gewissem Umfang über das strikte Dekorverbot hinweggesetzt hat. Nachdem eine dem neogotischen Geschmack gehorchende Restaurierung durch Gotthilf Ludwig Möckel gegen Ende des 19. Jh. die ursprüngliche Bauidee in Teilen verändert hatte, stellten behutsame, 1964 – 84 durchgeführte Arbeiten den ursprünglichen gotischen Zustand wieder her. Vor allem das Kircheninnere mit seinem Kreuzrippengewölbe, in warmen, hellrotem, mit Weiß abgesetztem Backstein gehalten, bietet einen überwältigenden Eindruck.

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